1980er – 1990er

„1,78 cm groß und lange Beine wie ihre Mutter, es ist als ob eher eine graziöse Giraffe ins royale Gehege schreitet.“

Vogue, Mai 1981

1980s Fashion Chanel suit

Copyright © AFP / Jean-Pierre Couderc / Roger-Viollet – Chanel suit 1983

Die Achtziger

In den Achtzigern trat eine große soziale und wirtschaftliche Veränderung zutage. Der Kalte Krieg und die Sowjetische Desintegration endeten zunehmend mit dem Fall der Berliner Mauer 1989. Der Fehlschlag des Kommunismus in den östlichen Teilen Europas  führte zur Unabhängigkeit und Westernisierung, die Industriestaaten waren wirtschaftlich kaum mehr aufzuhalten und es kam zu schweren Hungersnöten, wovon besonders Äthiopien gezeichnet war.

Als Reaktion darauf rief  Bob Geldof das berühmte Live Aid-Konzertwesen ins Leben, um Spenden für dieses Land zu sammeln.

Großbritannien feierte 1981 die royale Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana, deren Hochzeitskleid mit einer Länge von 25 Metern über 750,000,000 Menschen  in den Bann zog und den Meringuekleid-Trend startete.

Trotz wirtschaftlichem Fortschritt kam es zu Beginn der Achtziger zu hoher Arbeitslosigkeit. Kleidungshersteller verlegten ihre Produktionsstätte in Länder mit niedrigerer Lohnbasis und verbesserten die Produktionstechnik. Auch Computer und das Internet kamen langsam auf. Mutterschaftsurlaub, gleiche Löhne und mehr arbeitende Frauen trugen derweil zur Emanzipation bei.

Kunst und Kultur

1980s Fashion Dynasty

Während der Achtziger waren TV-Serien wie „Miami Vice“, „Dynasty“ oder „Dallas“ unglaublich erfolgreich und unterhielten Millionen Zuschauer mit Achtziger- Hairstyles und  Schulterpolstern. Auch Blockbuster wurden zum Kult, darunter vor allem „E.T.“, „Zurück in die Zukunft“ und „Indiana Jones“. In Sachen Musik galt Prince als modische und musikalische Ausnahmeerscheinung unter den aufkommenden Solo-Künstlern. Michael Jackson verließ die Jackson 5 und avancierte zum Popidol mit unverkennbarem Style während sich Madonna für die Frauen fortschrittlich zeigte.

Form und Silhouette

Mit beruflich aufstrebenden Frauen und einer Premierministerin war Power Dressing bei den Frauen angesagt. Anzüge für die Frauen galten bald als Casual-Wear und scharfe Schulterpolster schafften eine starke Silhouette. Kräftige Farben und Neon zierten die Taftkleider, die mit übergroßen Schleifen verziert wurden, während gedecktere Farben für Oversized-Shirts verwendet wurden. Weitere Merkmale der 80er-Mode waren ein Schulterfreier-Schrägschnitt,  aufgekrempelte oder ¾-Ärmel, bauchfreie Tops sowie zugeknotete Pullover. Bei der Beinbekleidung herrschten enge Lederhosen, Stonewashed Jeans, die Levi 501’s-Pants oder Kordhosen vor. Madonna prägte dabei den Look des hervorscheinenden BHs, ob unter einem Maschentop oder einer weiten Jeans-Jacke. Vivienne Westwood präsentierte während den 80ern ihre „The Witches“-Kollektion als letzte in Zusammenarbeit mit MacLaren, die mit sonderbarer Form-, Schnitt und Proportionstechnik sowie drapierter Anordnung herausstach.

Fashion 1980s Pierre Cardin

Copyright © AFP / Roger-Viollet – Pierre Cardin / January 1982

Designer-Unterwäsche wie Calvin Klein wurde populär und die Damenunterwäsche wagte sich an Spitze und Mieder mit integriertem BH. Bei den Jugendlichen wurden die Happy Pants zum Trend, welche aus elastischem, schrillen Stoff bestanden und bis über die Knie gingen.

New Romanticism und Post 70’s Punk

Punks Fashion 1980s

Copyright © AFP / Roger-Viollet – Punks 1985

New Romanticism war eine Londoner Club-Szene und Modewelle der frühen 80er. Mit Ursprung in der Punkszene waren hier die Modemacher weniger an dem Statement der Punks als vielmehr der Mode interessiert. Ihr Look war auffällig und historisch inspiriert mit Rüschen und üppigen Stoffen. Der eher piratenhafte Stil wurde besonders von Vivienne Westwood gefeiert und man bemühte sich, schön, reich und attraktiv, geradezu narzisstisch aufzutreten.

Der Post Punk Gothic-Stil lebte aus den Siebzigern weiter, wie er in Europa und den USA mit der ‘LA Scene’ populär gewesen war. Schwarze Kleidung aus Leder, Fischnetzen und Spitze und dazu Korsetts sowie Doc Martens waren das Kennzeichen dieser Bewegung. Langes Haar, blasse Haut und kräftiges Make-Up wurden außerdem dazu getragen. Der typische Punk-Stil zeigte sich weiterhin bei Bands wie Guns N’ Roses, die ihre Jeansjacken mit Sicherheitsnadeln, Patches oder Buttons zierten.

Paninaro

Das Paninaro beschrieb eine Subkultur mit Ursprung in Mailand, die sich Mitte der 80er formte. Die italienischen Mitglieder hielten sich oftmals in Fast Food-/Sandwich-Läden auf und entwickelten sich zur eigenen Kultur. Eigene Magazine wie „Il Paninaro“ und „El cucador“ kamen auf den Markt und

modetechnisch fiel man mit Shirts und Jeans, die bis zur Wade hochgekrempelt wurden und bevorzugt von Designern wie Versace, Armani und Levis 501 waren, auf. Dazu trugen sie Bomber-Jacken, Timberland-Stiefel und Ray-Ban-Brillen. 1986 widmeten die Pet Shop Boys ihren legendären Song „Paninaro“ dieser italienischen Subkultur.

Sportkleidung

Die Trendbewegung für einen gesunden Lebensstil mobilisierte viele Menschen, die vermehrt zu Fitness-Videos ihr Workout betrieben. Jane Fonda war dabei einer der großen Namen und machte Fitnesskleidung populär. Turnanzüge, Leggings und Stulpen mit elastischen Kopfbändern waren Grundausstattung dieser Fitness-Mode. Knallige Farben, Streifen- oder Punktmuster zierten die Trikotanzüge und Filme wie Fame und Flashdance setzten den Trendstatus fort und zeigten eingerissene, oversized und einschultrige Sweatshirts sowie übergroße Pullover.

Fashion S1980s Madonna

Copyright © AFP / Orion / The Kobal Collection / Schwartz, Andrew

Accessoires

Der Kostümschmuck hatte seinen großen Auftritt in den 80ern und es hieß: Je größer, desto besser. Riesige Gold- oder Perlenohrringe und diamantenförmiger Schmuck zierten fast jede Frau im alltäglichen Leben. Prinzessin Diana setzte den Trend zu flacherem Schuhwerk und Ende der 80er trug man sogar goldene und metallische Schuhe. Doc Martens waren immernoch gern an den Füßen gesehen, jedoch stylte man sie nun zu Blumenkleidern und brach damit das brave Outfit. Clutch-Bags in verschiedenen Varianten und Farben wurden zum Hauptaccessiore beim Ausgehen und passten sich den Schuhen an. Die gesteppte Chanel-Tasche fand während des Jahrzehnts auch viele Anhänger und wurde unzählige Male kopiert. Swatch-Uhren, High-Tops, Slap-Armbänder, Freundschaftsbänder, Hoop-Ohrringe und Zopfbänder kamen auf den Markt und die Haarfarben wurden in Regenbogenfarben gehalten, gecrimpt, gelockt oder kraus gab sich dabei die Haarstruktur. Daneben waren Ponys beliebt, mit Seitenzöpfen und platinblonden Haaren. Knalliges Make-Up durch helles Pink auf den Lippen, Glitzer, blauen Lidschatten und Schönheitsflecken rundete den gesamten Look ab.

Männermode

Die Männer trugen Jacketts zu normalen T-Shirts ganz nach den TV-Helden der Serie „Miami Vice“. Gebleichte Jeans und Lederjacken mit Raybans und schmalen Krawatten waren der andere Look des 80er-Mannes. Manche modemutige Herren kopierten selbst die Pluderhosen à la MC Hammer. Im Zuge der Popperbewegung sah man auch adrette Outfits, die sich aus Khakihosen, Poloshirts, zugeknöpftem Kragen und einem um die Schulter gebundenen Pullover zusammensetzten, wozu passende Loafer kombiniert wurden.

Die Ikonen

Desperately Seeking Susan (1985)  Pers: Madonna

Copyright © AFP / Orion / The Kobal Collection

Madonna

Nach der Veröffentlichung ihrer Single „Like a Virgin“ 1984 wurde ihr der Name ‘Material Girl’ gegeben. Besonders junge Frauen strebten danach, wie Madonna auszusehen und kopierten ihren Look mit Perlen-und Kreuzketten, Haar- und Spitzenbänder, Leggings, Lederröcken und kurz geschnittenen Jacken.

Lady Diana

In den 80ern blühte Diana vor allem modisch auf: Internationale Designer wie Versace, Chanel und Christian Lacroix kleideten sie ein und sie verkörperte mit Schulterpolstern und glitzernden Outfits die glamouröse Seite der 80er Jahre-Mode. Ihr Hochzeitskleid im Meringue-Stil und Puffärmeln löste dabei sogar einen eigene Trendbewegung aus.

Michael Jackson

Michael Jackson landete mit Thriller nicht nur einen musikalischen Hit, auch sein einzigartiger Style begeisterte viele Jugendliche und führte den Trendstatus der Lederjacke fort.

Die Designer

Calvin Klein

Nach Lancierung seiner Designer-Jeans in den Siebzigern, war Calvin Klein in den frühen Achtzigern bereits führend auf dem Jeans-Markt und bot preiswerte Designerware an. Während der 80er erfreute sich ebenfalls sein Unterwäsche-Label großer Beliebtheit, nicht zuletzt dank seiner kultigen Werbekampagnen mit halbnackten Models in exotischen Posen.

Ralph Lauren

Ralph Lauren stand während des Jahrzehnts besonders für den Hosenanzug der starken Frau der 80er und war auch in Popper-Kreisen mit seinen klassischen Poloshirts beliebt. Sein casual und gleichzeitig klassischer Look sprach dabei die verschiedensten Alters- und Gesellschaftsgruppen an.

Vivienne Westwood

Vivienne Westwood hatte bereits die Punks der 70er eingekleidet und war demnach erste Anlaufstelle für die New Romantic-Bewegung. Mit ihrer ‘Pirate’-Show 1981  präsentierte sie erstmals den New Romanticism-Stil des überladenden, historisch angehauchten Looks.

Jean Paul Gaultier

Jean Paul Gaultier arbeitete zunächst als Design-Assistent für Pierre Cardin, danach wechselte er zu Jacques Esterel und Jean Pator bevor er 197 6 seine erste eigene Kollektion präsentierte. Neben der Vermischung von kulturellen Bereichen wurden auch die Geschlechtergrenzen überschritten, bekanntestes Designbeispiel dafür war sein s.g. Männerrock in 1985. Seine Kollektionen High Tech (1980), Dadism (1983), Barbes (1985), A Wardrobe For Two (1985), Untitled Collection (1987) und The Concierge In In The Staircase (1988) waren stets auf Androgynität und Provokation ausgerichtet.

Thierry Mugler

Thierry Mugler verstand wie kein anderer die Worte ‘sex sells’. Der ursprüngliche Balletttänzer steht für Glamour-, Sexappeal- und Fetisch-inspirierte und extravagante Designs, mit denen er die 80er Mode gehörig aufmischte.

Fendi

Fendi wurde 1918 anfänglich als Lederwarenhersteller von Adele Casagrande gegründet. Den Namen Fendi erhielt sie nach ihrer Hochzeit mit Eduardo Fendi im Jahr 1925. 1965 übernahm Karl Lagerfeld den Kreativdirektorposten und entwarf das legendäre Logo des doppelten F-Buchstaben. In den 80er erlebte das Label einen großen Erfolg mit seinen Sonnenbrillen- und Jeanskollektionen sowie den Duft-, Sportbekleidungs- und Accessoireslinien.

Gianfranco Ferré

Der eigentliche Architekt Gianfranco Ferre hielt 1974 seine erste Modenschau ab und lancierte seine erste Männermodenlinie im Jahr 1982. Seine voluminösen Organza-Shirts waren bald berüchtigt und brachten ihm Ende der 80er den Posten des Artistic Directors bei Dior ein. In kürzester Zeit stellte er die Dior-Kollektion fertig und brachte die Vogue zu folgendem Statement zur Kollektion: „Große Disziplin Diors und ein Aufblühen Ferres kommen hier zusammen.“ Im Nachhinein bekam Ferre sogar den Golden Thimble für seine Arbeit.

Copyrights © Courtesy of Gianfranco Ferré Foundation

Issey Miyake

Nach gesammelter Erfahrung bei Givenchy, Guy Laroche und Geoffrey Beene zog es Issey Miyake 1970 nach Japan zurück. Seine Signatur sollte der Mix aus westlicher Kultur mit japanischer Tradition werden und schlug eine völlig neue Richtung ein. Seine erste Menswear-Kollektion lancierte er 1982. 1988 kollaborierte Miyake mit dem Fotografen Irving Penn und zeigte sich revolutionär in Sachen Kollektionspräsentation als er Silikon-Mannequins in Dunkelheit verwendete.

Gianni Versace

Versace arbeitete zu Beginn seiner Karriere als freiberuflicher Designer für Genny and Callaghan. 1975 kam es zur ersten Kollektion für Complice, gefolgt von der Gründung des eigenen Labels in Mailand. Seine erste Kampagne gestaltete er mit Richard Avelon, mit dem Versace auch später noch zusammenarbeitete. Im Jahr 1982 entwarf Gianni Versace erstmals mit Metall versehene Designs, die zu seinem Markenzeichnen wurden, sodass er bald mit dem Kostümdesign für Elton John beauftragt wurde.

1997 wurde der Designer auf tragische Weise ermordet, wobei seine Schwester Donatella heute das Unternehmen führt.

Yohji Yamamoto

Yohji Yamamoto  gründete sein Label 1971 und fand den ersten großen Erfolg 1981 in Paris. Voluminöse Kleidungsstücke, die um den Körper gewickelt und drapiert werden, geben seinen Designs das Besondere und Unstrukturierte. Der Designer sorgte ebenfalls oft für Furore mit den Medien und erhielt den Titel „Indirekter Chic“ von der Vogue Italia.

Zu den anderen, einflussreichen Designer der 80er zählen mitunter Donna Karan, Armani, Moschino und John Galliano.

Saxony Dudbridge

Geschrieben von Saxony Dudbridge

Saxony Dudbridge was one of the first contributors to the Catwalk Yourself project, Saxony studies International Fashion Marketing and she is responsible for our great History and Designers Biographies sections.


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